28.07.2020

BILDUNG UND ERZIEHUNG IM AUSNAHMEZUSTAND?

Über die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf unseren Alltag ist schon viel gesagt worden. Bei allen mehr oder weniger begründeten und berechtigten Befürchtungen und Spekulationen über die Folgen der aktuellen Krise darf aber nicht aus dem Blick geraten, dass wir es in vielen Fällen nicht mit radikal neuen Problemen zu tun haben.

Bestehende Ungleichheiten in Bildung und Erziehung wurden durch die Pandemie sichtbar und verstärkt. Bildung und Erziehung werden aber auch entscheidend sein, um die Krise zu überwinden und die großen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen zu meistern, die auf die Pandemie folgen.

Eltern und Familien unter Druck

Die COVID-19-Pandemie war und ist für Familien und Bildungseinrichtungen eine große Belastung. Während Einrichtungen für Kleinkinder geschlossen wurden, mussten sich Schulen und Universitäten in kurzer Zeit auf E-Learning umstellen. Eltern, insbesondere Mütter, waren damit konfrontiert, Homeschooling, Kinderbetreuung und Home Office unter einen Hut zu bringen oder hatten mit Zukunftsängsten und Jobverlust zu kämpfen. Die ungleiche Verteilung der Last der Kinderbetreuung zwischen den Geschlechtern, die prekären Lebens- und Lernverhältnisse in benachteiligten Familien, die häusliche Gewalt (die sich in wirtschaftlichen Stresssituationen eher Bahn bricht) oder die Überforderung der Schulen und Bildungseinrichtungen alle Kinder gleichermaßen gut zu erreichen und zu fördern, wurden durch die COVID-19 Pandemie besonders sichtbar. Es ist daher zu erwarten, dass sich die ohnehin schon bestehenden Bildungsungleichheiten als eine Folge der COVID-19 Pandemie vergrößern und verfestigen.

Vom rassistischen Vorurteil bis zur Real-Satire

Die COVID-19-Pandemie ist eine Herausforderung für die politische und demokratische Bildung. In der aktuellen Krisensituation zeigen auch gerade rechtspopulistische und -autoritäre PolitikerInnen aus der Sicht ihrer KritikerInnen oftmals deutlicher ihr ‚wahres Gesicht‘. Sie nutzen den Ausnahmezustand und die damit verbundenen Ängste für die Durchsetzung der eigenen Agenda. Sie bedienen rassistische Vorurteile (auch das ist historisch nichts Neues) und bringen aus politischem Kalkül geballte Irrationalitäten unter das ‚Volk‘.

So schien der brasilianische Präsident Bolsonaro die Debatte über das Virus als eine Art Witz abtun zu wollen (‚eine kleine Erkältung‘), VertreterInnen der hindunationalistischen BJP in Indien – und das ist leider kein Witz – empfahlen den indischen BürgerInnen als probates Mittel gegen das Virus Kuh-Urin zu trinken und Trump hatte bekanntlich die Idee, dass man sich gegebenenfalls Desinfektionsmittel spritzen könne.  

Diese real-satirisch anmutenden Äußerungen - die jedoch ebenso wie derzeit kursierenden Verschwörungstheorien reale politische Folgen haben - sind nicht nur blanker Hohn für die Opfer der Pandemie. Sie zeigen auch an, vor welchen Problemen und Herausforderungen liberale Demokratien im Allgemeinen und (politische) Bildung im Besonderen vor, nach und während des Ausnahmezustands stehen.

Philosophische Reflexionen zur COVID-19-Pandemie

Der Band „Bildung und Erziehung im Ausnahmezustand. Philosophische Reflexionsangebote zur COVID-19-Pandemie“ (herausgegeben von Johannes Drerup und Gottfried Schweiger) beschäftigt sich mit diesen und verwandten Fragen und ist kürzlich in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erschienen. 

Dieser Band versammelt kurze Beiträge ausgewiesener ExpertInnen aus Philosophie und Erziehungswissenschaft. Sie reflektieren über Bildung und Erziehung im Ausnahmezustand mit Blick auf die Gegenwart der Pandemie und die Zukunft danach. Der Band richtet sich an Eltern, LehrerInnen, Menschen, die mit Familien und Kindern arbeiten, und an alle, die sich für philosophische Fragen zu den Themen Kindheit, Bildung und Erziehung interessieren.

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Gottfried Schweiger ist Senior Scientist am Zentrum für Ethik und Armutsforschung

Website des Buches

 

 

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