05.11.2020

„SALTO“ - EIN MODELL ZUR GESUNDHEITSFÖRDERUNG IM KINDERGARTEN.

Laut WHO (2019) weist bereits jedes fünfte Kind im Alter von 0 bis 14 Jahren in Europa ein über der alters- und geschlechtsspezifischen Norm liegendes Körpergewicht auf.

Dies gilt auch für Österreich und insbesondere für Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren, wie die eigene Untersuchung zeigte.[1] 

Starkes Übergewicht: Adipositas

Übergewicht, inklusive starkes Übergewicht (Adipositas), ist kein „Schönheitsfehler“, sondern als ernährungsbedingte Krankheit klassifiziert, und wird in der Praxis mit dem Body-Mass-Index erfasst.[2] Werden keine Maßnahmen ergriffen, erkranken Kinder mit Übergewicht nicht nur organisch, sondern sie sind auch häufiger von Diskriminierung, Benachteiligung im Unterricht und später von geringeren Chancen am Arbeitsmarkt betroffen.[3]

Übergewicht im Kindesalter entsteht bereits vor der Geburt und wird heute nicht nur als Kalorieninput-/-output-Problem, sondern als multifaktorielles Geschehen betrachtet.[4] Es „wächst“ sich nicht einfach aus. Im Gegenteil: Ohne frühzeitige Intervention bleiben 90 % der Kinder, die bereits mit drei Jahren übergewichtig waren, auch im Jugend- und Erwachsenenalter übergewichtig.[5] Die Prävention gilt daher als die wichtigste Strategie zur Reduktion der Adipositas und ihrer Begleiterkrankungen!

SALTO: SALzburg Together against Obesity

Mit dem Projekt „SALzburg Together against Obesity“[6] wurde das Ziel verfolgt, ein gesundes Aufwachsen im Kindergarten zu ermöglichen. Dabei wurde der „Community Oriented Core-Setting (COCS)“ Ansatz entwickelt, d.h. der Kindergarten bildet eine zentrale Lebenswelt, um gesunde Bewegung (z.B. motorische Kompetenz entwickeln) und Ernährung (z.B. Wasser als Durstlöscher etablieren) überdauernd im Alltag der Kinder zu etablieren.[7]

Maßnahmenbündel wurde speziell auf interpersonaler Ebene für Kindergartenpädagoginnen (z.B. Handbuch Ernährung, Coaching für Elternkommunikation und Helfen & Sichern), Eltern (Elternabend, Fact Sheets, Take Home Activities) und Kooperationspartner (z.B. Stakeholder-Dialog) geschneidert.

Unter Berücksichtigung der Theorie zur Diffusion präventiver Praktiken[8] - „ein Verhalten – viele Informationskanäle“ - wurden sechs Themen jeweils über ein halbes Kindergartenjahr (z.B. kindgemäße Essensportionen zubereiten, Vater-Kind Kochen) - in das pädagogische Programm des Kindergartens eingepflegt. Mit Hilfe der SALTO-Koordinatorin wurde die Umsetzung der Maßnahmen mit dem gesamten Kindergartenteam ausgestaltet. 

Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung

Im Rahmen der jährlichen internen und externen Evaluierung wurden in drei Jahren insgesamt 700 Kinder, 980 Eltern und 13 Pädagoginnen hinsichtlich des Körpergewichts, der Nahrungsmittel- und Aktivitätspräferenzen, der Sitzzeit und motorischen Kompetenz und des Wissenstransfers untersucht. Die wissenschaftliche Begleitforschung ergab, dass der Anteil der Kinder mit starkem Übergewicht stabil blieb, motorische Meilensteine, wie der Purzelbaum, nun von mehr Kindern erreicht wurden, der Gang und Garten im offenen Raumkonzept gegenüber dem Turnsaal im gruppenraumorientierten Kindergarten die wichtigsten Bewegungsräume darstellten.

Insgesamt konnte gezeigt werden, dass SALTO einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des Wissenstransfers über gesunde Ernährung und Bewegung in der Gruppe der Pädagoginnen sowie in Interaktion mit den Eltern leisten und zusätzliche Impulse für die Etablierung präventiver Praktiken im Kindergarten beisteuern konnte.[9]

 

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Die Autorin: Susanne Ring-Dimitriou forscht am Interfakultären Fachbereich Sport- und Bewegungswissenschaften und leitet das Angebot Universität 55-PLUS.

Literatur zum Artikel ist bei der Verfasserin erhältlich: susanne.ring-dimitriou(at)sbg.ac.at

Fußnoten

[1] Mayer et al., 2014; SALTO 2017 [2] ICD-11, WHO, Version 09/2020 [3] WHO, 2019 [4] Butland et al., 2007 [5] Geserick et al., 2018 [6] SALTO, 2015-2018; gefördert vom Land Salzburg und dem Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport [7] Ring-Dimitriou et al., 2019 [8] Rogers, 2002 [9] vgl. Ring-Dimitriou, Aistleitner, & Weghuber, 2018

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Ein Beitrag für die PGC-Kampagne WALK THE TALK

 Barrierefreiheit: Kurzbeschreibung des Bildes

 

Grafik: Kay Müller, PLUS

 

 

 

 

 

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